Afghanische Konsulate in Deutschland unter Taliban-Kontrolle
Laut einem Bericht der Deutschen Welle stehen die Botschaft in Berlin und die Konsulate in Bonn und München inzwischen nahezu vollständig unter der Kontrolle der De-Facto-Regierung von Afghanistan (Taliban). Damit haben die Taliban Zugriff auf die Daten aller in den Konsulaten in Deutschland registrierten afghanischen Staatsangehörigen erhalten.
Bis ins Jahr 2025 führten Delegierte der ehemaligen "Islamischen Republik Afghanistan" die Geschäfte teilweise weiter, obwohl die Taliban bereits 2021 die Macht in Afghanistan übernommen hatten. Dass die Konsulate jetzt dem "Islamischen Emirat Afghanistan" unterstehen, obwohl die Talibanregierung international nicht anerkannt ist und mehrere ihrer Führerfiguren vom internationalen Strafgerichtshof mit Haftbefehl gesucht werden, hat auch mit dem politischen Interesse der aktuellen Bundesregierung zu tun, möglichst viele afghanische Geflüchtete in ihr Heimatland abzuschieben. Dies ließen sich die Taliban mit dem Zugang zu den Konsulaten in Deutschland bezahlen. Als offensichtlichste Konsequenz aus diesem Vorgang trat der bisherige Leiter des Bonner Konsulats bereits im Oktober zurück und stellte in Deutschland einen Asylantrag, wie auch in diesem Artikel berichtet wird.
Diese Entwicklung führt vor allem zu einer Bedrohung und Gefahr für die in Deutschland legal als Asylsuchende oder mit Aufenthaltserlaubnis lebenden afghanischen Staatsbürger:innen. Denn diese stehen unter dem Druck der deutschen Behörden, weiterhin - als gäbe es keine Taliban - die Erfüllung der sog. Mitwirkungspflichten bei der Ausstellung von Identitätsdokumenten verlangen. Fragwürdiger denn je dürfte jetzt aber sein, ob die Vorsprache bei den Vertreter:innen der Taliban für afghanische Staatsangehörige noch als zumutbar angesehen werden kann. Wer dort vorspricht muss seine kompletten Daten angeben und die kann die Personen selbst, aber auch Angehörige in Afghanistan, Deutschland oder sonstwo in Gefahr bringen.